Tolle Typen, tolle Themen: Wirtshausgespräch zur Stadtratswahl

Kandidaten der Stadtratsliste Schwandorf

Wahlveranstaltung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am 25.02.2026 im Gasthof Späth, Kreith

Die Spitzenkandidaten auf der Liste von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Schwandorf bewarben sich im Gasthaus Späth um die Stimmen der Wähler. Miriam Pöhlmann (Platz 1 auf der Liste), Paul Groß (Platz 2, krankheitsbedingt vertreten durch seine Frau Maria Groß), Anja Wilhelm (Platz 3) und Christoph Beck (Platz 4) stellten sich und ihre Ziele für die Stadt vor. Sabine Ernst (Platz 5) konnte ebenfalls krankheitsbedingt nicht teilnehmen.

Einleitend sprach Lucas Pöllinger, Vorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bezirk Oberpfalz. Er betonte, wie wichtig das Mit- und Füreinander sei. „Eine starke Gemeinschaft erkennt man daran, dass niemand übersehen wird.“, sagte er. „Wir Grüne treten an, weil wir davon überzeugt sind, dass Politik den Alltag der Menschen verbessern muss – spürbar und ehrlich.“

Bei den GRÜNEN ist es üblich, dass nur jeder zweite Listenplatz von einem Mann besetzt sein darf. Dadurch ist der Frauenanteil in der Partei, aber auch in den politischen Gremien überdurchschnittlich hoch. Auch der Schwandorfer Ortsverband ist sich einig, dass diese Regel richtig und wichtig ist. Denn nur so kann Politik von und für immerhin die Hälfte der Bevölkerung gemacht werden.

Einig ist sich der Ortsverband auch in dem Ziel, auf das alle ihre Pläne hinauslaufen: ein lebens- und liebenswertes Schwandorf mit einer lebendigen Gesellschaft. Was das für die Spitzenkandidaten bedeutet und wie sie das erreichen wollen, erläuterten sie bei ihrem geselligen Wirtshausgespräch.

Die dritte Bürgermeisterin von Schwandorf, Marion Juniec-Möller, stellte die einzelnen Kandidaten vor, die dann über ihre Ziele sprachen.

Listenplatz 1: Miriam Pöhlmann

Dipl.-Kauffrau Miriam Pöhlmann ist Mutter von zwei jugendlichen Kindern, ehrenamtlich im TSV engagiert und im Kreuzbergviertel Schwandorf aufgewachsen. Zwischendurch habe sie im Rothlindenviertel gewohnt und sei jetzt seit einigen Jahren in Kronstetten. „Den Schwandorfer Osten kenne ich wie meine Westentasche.“, sagte sie.

Pöhlmann, die den Bereich Kredit einer Bank in Nabburg leitet, zeichnete ein Bild des Ortskerns von Schwandorf, wie sie es sich vorstellt: eine grüne Oase ohne Autos, in der Bänke unter Bäumen und Straßencafés zum Verweilen einladen. So würde der Marktplatz zu einem Treffpunkt, an dem man sich wohlfühlt. „Wo sich Menschen aufhalten, siedeln sich auch Geschäfte an.“, führte sie aus. „Mit Autos hat es nicht funktioniert, dass die Geschäfte bleiben.“ Jetzt gelte es, mutig zu sein und etwas Neues zu versuchen.

Sie sprach sich außerdem für den geplanten Bau am Schmidtbräu-Areal aus. Der sei, ebenso wie die Umgestaltung des Marktplatzes, eine Investition in die Zukunft. Auch dieses Vorhaben diene dazu, Menschen in die Innenstadt zu bringen. Das sei nicht nur gut, weil es wieder mehr Läden anlocke und damit Gewerbesteuereinnahmen bringe.

Es sei vor allem ein wesentlicher Punkt, um die Aufenthaltsqualität und die Attraktivität Schwandorfs zu steigern. Und das wiederum sei die Voraussetzung, dass Arbeitnehmer/innen und ihre Familien gerne in Schwandorf leben. „Lasst uns mutig sein und diese Dinge in Angriff nehmen!“ schloss sie.

Listenplatz 2: Paul Groß

Paul Groß, vielen als Polizist bekannt, sieht seinen Schwerpunkt im Thema Sicherheit. Groß, der mittlerweile im Ruhestand ist, ist 64 Jahre alt und hat drei erwachsene Kinder. Seit mehr als 40 Jahren ist er bei den GRÜNEN und seit zehn Jahren vertritt er die Partei im Stadtrat. Aufgrund einer Krankheit konnte er nicht persönlich an der Veranstaltung teilnehmen. Daher hielt seine Frau Maria Groß seine Rede.

Ihr Mann mische sich gern unter die Leute und höre genau zu, welche Sorgen und Probleme sie haben. Um die Sicherheit der Schwandorfer zu erhöhen, habe er sich dafür eingesetzt, dass das Ordnungsamt auch nachts und vor allem im Bahnhofsgebiet patrouilliert. Als Stadtrat will er sich auch künftig dafür einsetzen, dass sich jede/r Bürger/in sicher fühlen kann.

Am Herzen liegt ihm auch die Integration ausländischer Mitbürger/innen. Er ist Mitglied im Jugendbeirat und seit vielen Jahren ehrenamtliche Betreuungskraft an der Kreuzberg-Schule. Das Jugendzentrum erachte er unter anderem als sehr wichtig, weil sich dort deutsche und eingewanderte Jugendliche kennenlernen und austauschen.

Groß wolle sich auch weiterhin um die Eingliederung der zugewanderten Schwandorfer/innen bemühen. Aber die Integration könne nur gelingen, wenn beide Seiten dazu beitragen.

Listenplatz 3: Anja Wilhelm

Anja Wilhelm ist Deutsch- und Geografielehrerin und hat ein Kind im Vorschulalter. Ihr ist es besonders wichtig, die Menschen zurück in den Mittelpunkt politischer Arbeit und Entscheidungen zu rücken und ein Miteinander zu fördern. Dazu müsse Transparenz in der Stadtratsarbeit und im Rathaus geschaffen und so Vertrauen zurückerlangt werden.

„Wir müssen unsere Formate der Bürgerbeteiligung überprüfen, verbessern und neue Ideen zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern erarbeiten. Wir haben so viele fleißige und engagierte Leute überall in Schwandorf, in Vereinen – aber wir müssen sie ansprechen.“, so Wilhelm. Weitere wichtige Punkte seien für sie Unterstützung und Schutz von Familien, Kindern und Jugendlichen, z. B. durch mehr Betreuungsangebote oder kostenlose und konsumfreie Freizeitangebote.

Aber auch Gewaltschutz, Umweltschutz, und Präventionsarbeit müssten ausgeweitet und nicht vornehmlich auf die Schulen und Kitas abgewälzt werden. Um Zuwanderer besser zu integrieren, aber auch Einheimischen zu helfen, müssten soziale Projekte vernetzt werden. „Denn das schaffen wir nur miteinander.“, so Wilhelm. Ihr Wunschprojekt, ein Mehrgenerationenhaus, könnte als Zentrum dienen. Zum Schluss erinnerte sie daran, dass bei allen Projekten und Maßnahmen die Dörfer mitgedacht und ihre Meinungen ernst genommen werden müssen.

Listenplatz 4: Christoph Beck

Der nächste Redner, Christoph Beck, war bis zur Schließung des Bayernwerkes dort tätig. Er ist Verkehrsexperte und entsprechend widmet er sich vor allem der Straßeninfrastruktur. Diese sei in Schwandorf viel zu sehr rein auf das Auto zugeschnitten. Er monierte, dass es kein durchgängiges Verkehrskonzept für alle Verkehrsteilnehmer gebe, sondern ein Flickwerk.

Es seien weder ausreichend ÖPNV-Verbindungen in die Außenbezirke vorhanden noch seien die Straßen für Fußgänger und Radfahrer sicher. Dadurch würde den Kindern auch die Möglichkeit genommen, selbstständig zu werden. „Kinderpsychologen bestätigen, dass selbständige Mobilität – also die Ablösung von Elterntaxis durch das Ermöglichen einer selbständigen Fortbewegung – von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung von Kindern ist.“ Er wolle dafür sorgen, dass diese Probleme endlich ernst genommen und angegangen werden.

Becks zweiter Schwerpunkt liegt beim Thema Energie. Neben der Fernwärme gebe es noch weiteres Potential in Schwandorf, umweltfreundlich Energie zu gewinnen. Er verwies z. B. auf die Naab und die Abwässer der Kläranlage, die für Großwärmepumpen genutzt werden könnten. Erdwärme und Sonnenenergie seien etwa auf Großparkplätzen zu gewinnen. Er fordert von der Stadt ein umfassendes Energiekonzept zu entwickeln, das sich nicht alleine auf Fernwärme aus dem Müllkraftwerk verlässt.

Auch das Ehrenamt liegt Beck am Herzen: „Als Stadtrat werde ich mich dafür einsetzen, dass ehrenamtliche Arbeit bei uns in der Stadt auch weiter gefördert wird.“ Tendenzen anderer Parteien, an dieser Stelle zu sparen, findet er bedenklich. „Das Ehrenamt und die ehrenamtliche Arbeit ist der Kit der Gesellschaft – ohne sie wird der Preis für eine funktionierende Gesellschaft deutlich höher.“