Verlagerung des Mülltransports der ZMS auf die Straße

Müll auf die Straße? ZMS muss Alternativen ausschöpfen!

Schwandorf, 19.01.2026

Stellungnahme
zur angedachten Verlagerung der Müllanlieferung zum Müllkraftwerk auf die Straße

In der Verbandsversammlung des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf (ZMS) am 04.12.2025 beklagte der Vorsitzende, Landrat Thomas Ebeling, dass es massive Probleme bei der Müllanlieferung mit der DB Cargo gebe. Er kündigte an, dass die Verwaltung des ZMS sich intensiv darum bemühe, Alternativen zu DB Cargo zu finden bzw. ein Konzept auszuarbeiten, um den bisher schienengebundenen Transport soweit wie möglich auf die Straße zu verlagern. Die Mittelbayerische Zeitung sowie der Neue Tag berichteten darüber am 09.12.2025.

Der Ortsverband Schwandorf von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN spricht sich entschieden dagegen aus, dass der Müll künftig mit Lkw zur Müllverbrennungsanlage in Schwandorf angeliefert wird. Wir fordern ausdrücklich, dass der Zweckverband zunächst alle anderen Optionen prüft, bevor er die Verlagerung auf die Straße ins Auge fasst.

Hintergrund:

Die Genehmigung der Müllverwertungsanlage wurde seinerzeit vor dem Hintergrund erteilt, dass die Mülltransporte NICHT vollständig über die Straße erfolgt. Derzeit gilt nach Angaben der ZMS das Ziel von mind. 80 % Anlieferung per Schiene. Die Verfehlung dieses Ziels ist – wie der Verbandsvorsitzende selbst feststellt – im Wesentlichen auf die lang im Voraus angekündigten Sperrungen von Schienenstrecken im Verbandsgebiet zurückzuführen. Diese sind aber längst beendigt und rechtfertigen nicht die zukünftige Verlagerung des Transports auf die Straße.

Das Müllkraftwerk benötigt nach Angaben des ZMS rund 1500 to Müll pro Tag. Bei 300 Arbeitstagen pro Jahr ergibt das 450 000 to pro Jahr. Das entspricht nach unseren Berechnungen je nach Beladung 50 bis 100 Anfahrten pro Tag und ebenso viele Rückfahrten, die entweder von Süden über Klardorf oder durch die Stadt und durch Dachelhofen zum Müllkraftwerk führen. Auf ein Jahr hochgerechnet sind das 30 000 bis 60 000 Fahrten.

Da sich das Verbandsgebiet vom Landkreis Hof und Kulmbach bis hin nach Landshut und Straubing erstreckt, lässt sich daraus für die Anlieferung per LKW je nach Beladung eine Fahrstrecke von 2 bis 4 Mio. km pro Jahr ermitteln. Die Belastungen durch die LKW-Transporte zur geplanten Klärschlammverbrennung auf dem Gelände des ZMS sind dabei nicht berücksichtigt.

Unsere Position:

Die Anlieferung mit Lkw muss die Stadt Schwandorf aus mehreren Gründen ablehnen:

  • Die Lärm- und Abgas-Belastung der Anwohner ist nicht tragbar. Sie stellt nicht nur eine Belästigung dar, sondern eine reale Gesundheitsgefahr.
  • Der übermäßige Verkehr könnte sogar dazu führen, dass die Grundstücke an Wert verlieren.
  • Das Verkehrsaufkommen auf der Autobahn, den Ein- und Ausfallstraßen und den innerörtlichen Straßen ist bereits jetzt sehr hoch. Eine Zunahme im genannten Umfang wäre für den Verkehrsfluss sehr hinderlich; die Unfallgefahr würde steigen.
  • Die innerörtlichen Straßen werden durch den zusätzlichen Schwerlastverkehr erheblich mehr als ursprünglich geplant belastet. Dies führt schnell zu Straßenschäden, deren Reparaturen nicht nur eine weitere Verschärfung der Verkehrssituation, sondern auch zu einer erheblichen Belastung des städtischen Haushalts führen.
  • Stadt, Kreis und Bezirk entfernen sich damit einen großen Schritt davon, klimaneutral zu werden.

In den Leitlinien des ZMS heißt es:
Wir wollen die ohnehin sehr strengen Vorgaben beim Betrieb unserer Verbandseinrichtungen nicht nur einhalten, sondern frühestmöglich stets am technisch Machbaren ausrichten. Die Vermeidung und Minimierung von Umweltbelastungen, Verletzungen und Erkrankungen durch die Umsetzung von konkreten Maßnahmen, aber auch Umweltbildung und absolute Transparenz bei all unserem noch so komplexen Handeln sind uns oberstes Gebot.

Wenn der ZMS jetzt erwägt, die Müllanlieferung auf die Straße zu verlagern, verstößt er mehrfach gegen seine eigenen Leitlinien:

  • Die „Vermeidung und Minimierung von Umweltbelastungen, Verletzungen und Erkrankungen“ ist ebenso wie die Umweltbildung nicht mit dieser Option vereinbar.
  • Ohne die Prüfung von Alternativen wird auch der Grundsatz über den Haufen geworfen, sich „frühestmöglich stets am technisch Machbaren“ auszurichten.
  • Die vage Ankündigung des Verbandsvorsitzenden Thomas Ebeling „Konzepte zu prüfen“ lässt genau diese „absolute Transparenz“ missen.

Die Leitlinien müssen nach unserer Auffassung selbstverständlich auf die gesamte Lieferkette inklusive der Anlieferung des Brennstoffes/Müll angewendet werden.

Grundlage:

  1. Artikel „Die Probleme bei der Müllanlieferung verschärfen sich – Zweckverband sucht nach Alternativen“ in der Mittelbayerischen Zeitung vom 09.12.2025, Ausgabe Schwandorf-Vilstal
  2. Information aus der Verbandsversammlung am 04.12.2025:

„Als der Zweckverband 1979 gegründet wurde, hat man sich für ein schienengebundenes Bahntransportsystem für den Transport des Mülls von den Verbandsmitgliedern zum Müllheizkraftwerk Schwandorf entschieden. Dieses System wurde über die letzten Jahrzehnte systematisch ausgebaut.

Das Müllheizkraftwerk Schwandorf ist die einzige große Anlage in Deutschland, die eigentlich bis zu 80 % der angelieferten Müllmengen über ein schienengebundenes Transportsystem erhält. …

Die Verwaltung des Zweckverbandes Müllverwertung Schwandorf ist intensiv darum bemüht, Alternativen zu DB Cargo zu finden bzw. ein Konzept auszuarbeiten, um den schienengebundenen Transport soweit wie möglich auf die Straße zu verlagern.“